Mögliche Begleiterkrankungen (Komorbiditäten)

Die chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD) umfasst die chronische Bronchitis mit Einengung (Obstruktion) der Atemwege und das Lungenemphysem, eine nicht rückbildungsfähige Überblähung der Lunge. Ihr liegt eine dauerhaft bestehende(chronische) Entzündung zu Grunde, die zunächst in den Atemwegen beginnt, aber auch andere Organsysteme beeinträchtigen kann und auch mit weiteren Erkrankungen in der Lunge  vergesellschaftet ist. So beobachtet man bei Patienten mit COPD häufiger als bei gleichaltrigen lungengesunden Personen ein Lungenkarzinom, ein Asthma, eine Lungenfibrose, eine Bronchiektasie, einen Hochdruck im Lungenkreislauf sowie Atemstörungen im Schlaf. Diese Erkrankungen können vom Lungenfacharzt erfasst und behandelt werden.

Häufigste Begleiterkrankungen (Komorbiditäten)

Nach der größten deutschen Registerstudie , der DACCORD- Studie, an mehr als 6000 von Lungenärzten ambulant betreuten COPD – Patienten finden sich am häufigsten folgende Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) außerhalb der Lunge:

•    Herz- Kreislauf- Erkrankungen unter Einschluss des Bluthochdrucks bei 51,4% der Patienten,
•    ein Diabetes mellitus(Zuckerkrankheit) bei 14,3% der Patienten,
•    Erkrankungen der Psyche, insbesondere Angstzustände und Depressionen, bei 11,1 % der Patienten,
•    eine Osteoporose(vermehrte Knochenbrüchigkeit) bei 7,0 % der COPD- Patienten.

Diese Begleiterkrankungen beeinflussen den Krankheitsverlauf ungünstig und senken die Lebenserwartung.

Kardiovaskuläre Begleiterkrankungen

Bluthochdruck, die koronare Herzkrankheit, die bei Verschluss eines oder mehrerer Herzkranzgefäße zum Herzinfarkt führt, sowie eine Herzmuskelschwäche der rechten wie auch der linken Herzkammer können neben Herzrhythmusstörungen, insbesondere einem zu schnellen, eventuell auch unregelmäßigen Herzschlag den COPD- Patienten beeinträchtigen. Deshalb gehören zu einer sorgfältigen Diagnostik des COPD- Patienten auch ein EKG, bei Herzrhythmusstörungen auch ein Langzeit-EKG sowie eine Ultraschalluntersuchung des Herzens(Echokardiogramm).
Der nach einem Herzinfarkt oder bei Herzmuskelschwäche sinnvolle Einsatz von sogenannten Beta-Blockern verbessert auch bei COPD-Patienten die Lebenserwartung und sollte ihnen nicht wegen einer möglicherweise auftretenden leichten Einengung der Atemwege vorenthalten werden. Bei Patienten mit schnellem, unregelmäßigem Herzschlag ist Vorsicht geboren bei der Anwendung hochdosierter atemwegserweiternder Medikamente(Beta-2-Sympathikomimetika, Anticholinergika).

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Der Diabetes mellitus kann infolge eines erhöhten Infektionsrisikos,einer Schwächung der Muskulatur sowie einer Beeinträchtigung der Lungenfunktion den Verlauf der COPD ungünstig beeinflussen. Dies gilt sowohl für den Verlauf akuter Verschlechterungen(Exazerbationen) der COPD als auch für die häufigere stationäre Behandlung von Komplikationen der Zuckerkrankheit bei COPD.
Wichtig sind Messungen des Blutzuckers, insbesondere bei Exazerbationen, und die Vermeidung einer Langzeitbehandlung mit systemischen Corticosteroiden oder auch hochdosierten inhalativen Corticosteroiden. Die Dauer der Behandlung mit Cortison-Tabletten, die im Rahmen einer akuten Verschlechterung notwendig sein kann, sollte z.B. auf 5 Tage beschränkt werden.

Störungen der Psyche

Angstzustände und Depressionen werden bei COPD- Patienten mit zunehmender Schwere der Erkrankung immer häufiger beobachtet. Hierdurch wird die Lebensqualität der Betroffenen zusätzlich beeinträchtigt. Zur Bewältigung dieser Störungen hilfreich sind neben dem Einsatz von Medikamenten eine strukturierte Patientenschulung, die Angst vor schwerer Atemnot durch Erlernen geeigneter Selbsthilfemaßnahmen nimmt, sowie vermehrte körperliche Aktivität, z. B. durch die Teilnahme an ambulanten Lungensportgruppen.

Osteoporose

Eine Osteoporose wird bei COPD- Patienten wegen der systemischen Entzündung, einer Dauerbehandlung mit Cortison-Tabletten und der häufig eingeschränkten körperlichen Aktivität vermehrt angetroffen. Eine Verkleinerung der Brustraumes und Schmerzen sind die Folge, die bei Patienten mit COPD und Osteoporose zu noch mehr Atemnot führen können. Die Behandlung umfasst Atemphysiotherapie, Bewegungstherapie, eine Medikation mit Calzium, Vitamin D und eventuell auch Bisphophonaten, schließlich bei Wirbelkörperbrüchen auch eine Kyphoplastie.

Schlussfolgerungen

Wegen der Häufigkeit von Begleiterkrankungen und deren ungünstigen Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf sollte bei COPD- Patienten nach den häufigsten Komorbiditäten gesucht werden. Begleitkrankheiten sind neben einer individuellen, der Schwere der COPD  angepassten Therapie in der Behandlung zu berücksichtigen. Hierzu gehört eine enge Zusammenarbeit der den Patienten betreuenden Haus- und Lungenärzte mit den Kollegen der für die Komorbiditäten zuständigen internistischen Fachdisziplinen. Schließlich sollte verstärkte körperliche Aktivität, die auch zur Behandlung der genannten Komorbiditäten hilfreich ist, in das Behandlungskonzept einbezogen werden, z. B. durch die Teilnahme an ambulanten Lungensportgruppen. 


Prof. Dr. Heinrich Worth, Fürth,  (8. Symposium Lunge in Hattingen/NRW).


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